Naschmarkt von Anna Koschka

Die Journalistin und Buchkritikerin Dorothy, auch genannt Dotti, wird von ihrer Chefin zu einer Kolummne verdonnert, die Dotti so gar nicht zusagt. Ausgerechnet sie soll über Onlineflirtportale und die Partnersuche im Netz schreiben? Ausgerechnet sie, die mit Dreißig beschlossen hat Single zu bleiben! Inzwischen ist Dotti 34 und noch immer glückliche Singlefrau.

Also nimmt Dotti den Kampf auf. Ob sie nun will oder nicht. Mit Hilfe eines Kollegen legt sie ein Profil in einem Onlineportal an und wartet. Ein fehlgeleiteter und veröffentlichter Artikel wenig später, der eigentlich Dottis Karriere kosten könnte, schlägt jedoch bei den Lesern ein. Und die Leserschaft will mehr. Soviel positiven Zuspruch hätte Dotti niemals erwartet und sie muss sich auch mit Anfeidungen direkt im Verlag auseinandersetzen.

Nach dem ersten Erfolg wird ein Weblog eingerichtet und die Geschichte startet richtig durch. Dotti kämpft sich durch diverse Anfragen im Netz, datet bei Parties, verabredet sich und schreibt. Auf extrem witzige Weise lässt Anna Koschka den Leser an Dottis Leben teilhaben. An ihren Erfolgen, aber auch an ihren Fehltritten und Verbalausrutschern.

Dotti begegnet nun vielen Männern. Online, wie auch real. Ob nun beim chatten oder beim Speeddating. In kurzer Zeit wird Dotti selbst zur Kultfigur und muss sich der Öffentlichkeit stellen. Was tut man (Verlag) nicht alles für die Quote und die Auflagen. Und plötzlich scheint es, dass Dotti schwach wird. Gibt es da draussen auf dem Singlemarkt nicht doch einen Mann, der zu Dotti passt?

Ich fand das Buch richtig erfrischend und gut. Und viel was Dotti so durch den Kopf ging, könnte auch von mir sein. Die Prota war erfrischend, ehrlich und auch ein wenig zynisch und abgeklärt. Aber gut, mit 34 sollte man doch schon ein wenig in der Realität angekommen sein. Gelegentlich fand ich sie fast ein wenig zu harsch. Doch im nächsten Moment wusste ich, dass ich wohl genauso reagiert hätte.

Für eine Österreicherin wie mich war sehr viel dabei, was doch sehr vertraut ist. Der Blick auf die Wiener Gesellschaft, die doch seltsame österreichische Medienlandschaft und die Pflanzen die sie hervorbringt haben mich wunderbar amüsiert. Die Anspielung auf einige Formate im österreichischen TV … großartig. Die Schnitzeljagd durch Wien, auf die ein Unbekannter aus dem Netz Dotti entführt … einfach zauberhaft!

Dottis Blogeinträge fand ich großartig. Sie geht sehr kritisch mit der Gesellschaft um, die trotz all der vielen Singles, eine Ehe oder Partnerschaft als das zu erreichende Ziel sieht. Um Dotti selbst scharen sich meist Singles. Jedoch wirkt keine ihrer Freundinnen jetzt unglücklich oder unzufrieden. Dottis Mutter ist absolut wundervoll und ich wünschte sie wäre meine Mum. *gg*

Naschmarkt ist ein absolut gelungenes Buch von einer Autorin, von der ich noch ganz viel lesen möchte.

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