Jenseits des Protokolls – Bettina Wulff und Nicole Maibaum

Die Wulffs sind wieder da! Obwohl das Buch von Bettina Wulff (das sie natürlich nicht selbst geschrieben hat) in den Medien schon seit Tagen ein großes Thema ist, hat es mich nicht sonderlich berührt. Wieso auch? Ich habe andere Sorgen und Interessen als die Frau des ehemaligen dt. Bundespräsidenten. Doch irgendwann wurde das Thema doch zu aufdringlich und eine großartige Rezi von Alexandra Amber machte mich neugierig. Also schnell das Buch ausgeborgt und gelesen. Also nicht, dass ich damit viel Zeit verbracht hätte. So dick ist das Buch nun auch wieder nicht. Und es hätte mich nicht verwundert, wenn das Meisterwerk nicht auch noch mit ein paar ansehnlichen Fotos bestückt gewesen wäre. War es aber nicht. Schade drum.

Monologartig erzählt uns Frau Wulff oder auch Frau Maibaum die Leidensgeschichte einer Frau, die sich dummerweise in einen wunderbaren Mann verliebt hat, der leider im Licht der Öffentlichkeit steht. Als studierte PR-Frau hätte sie jedoch schon zu Beginn dieser Liason ahnen können was das bedeutet. Seitenweise wird der Leser gelangweilt, in dem man von den verflossenen Liebhabern und der Einrichtung sämtlicher Wohnungen erfährt. Ich bin mir sicher, dass sich Polizei und BKA tierisch drüber freuen, dass nun alle wissen wie das Wulff’sche Anwesen gesichert ist. Und ganz sicher sind ihre Freundinnen und Freunde begeistert von sich in dem Buch zu lesen und zu erfahren wer grad welche Probleme hat.

Nun weiss die Leserschaft auch wie gähnend langweilig der Stil der Präsidentenvilla ist und wieviele Polizisten für die Sicherheit des Bundespräsidenten verantwortlich sind. Für jemanden wie Frau Wulff, die sich doch so bitterlich beklagt, dass man ihr keinen Frieden und keine Privatsphäre gönnt, ist es dann doch schon sehr verwunderlich wie frei und großzügig sie über die Umbauten ihres Anwesens in Niedersachsen schreibt. Auch hier bei wären ein paar Fotos toll gewesen. 😉

Immer wieder wird man darauf hingewiesen wie schwer es Alleinerziehende haben. Und wie groß der Druck ist der Gesellschaft, der Öffentlichkeit, den Kindern und wem noch aller gerecht zu werden. Natürlich erfährt man auch von den großartigen Begegnungen mit Michelle Obama, dem Papst und der dt. Fußballnationalmannschaft. Weist aber auch gleichzeitig darauf hin, dass sich ernsthafte Freundschaften oder Kontakte nicht ergeben haben. Buhuhu. *schluchz*

Es mag schon ein Körnchen Wahrheit dahinterstecken, dass der Wechsel nach Berlin hart und die Last sicher nicht leicht zu tragen war. ABER – man hätte sich auch schon vorher überlegen können, ob man dieses Leben auch wirklich will. Als Frau vom Ministerpräsidenten stand sie doch schon in der Öffentlichkeit. Wenn auch nicht so extrem wie später. Und dieses elende Geseier eine schlechte Mutter zu sein und zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben. Jahaaa doch. So geht es Tausenden anderen von Frauen auch. Und die haben aber keinen Mann, der die richtige Kohle heimbringt. Die müssen selbst gucken, dass sie über die Runden kommen und trotzdem nicht untergehen.

Richtig beschämend finde ich es allerdings wie sehr sich Frau Wulff nun von ihrem Mann distanziert. Ihm offen und weniger offen die Schuld an ihrem ganzen Leid umhängt. Wie schon erwähnt. Die Frau hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist es Lesens mächtig. Im Hause Wulff hätte man sich vorher schon Gedanken machen sollen wie sehr man in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Dieses Buch – so kurz nach dem Rücktritt – ist doch ein Schlag ins Gesicht des gebeutelten Christian Wulff. Wenn man schon Privatsphäre und Ruhe will, dann hätte sie doch einfach die Klappe halten sollen. Mit diesem Epos hat sie sich jedoch neuerlich in die Schlagzeilen gebracht. Und das Bild der armen, vernachlässigten und völlig überforderten Gattin zieht bei den wenigsten.

Aber wenigstens wissen wir nun, dass Frau Merkel gern Rotwein und Käse mag. Ausserdem lehnt die BK der Republik Deutschland kleidungstechnisch Leihgaben (was man ihr leider auch ansieht) ab. Auch dass man in Hannover besser einkaufen kann und 40 Paar Schuhe eigentlich nicht viel sind, bleibt auch kurzfristig im Lesergehirn hängen.

Wie schon gesagt, ein paar nette Bilder wären nett gewesen. Nicht, dass es über den grauenvollen Schreibstil hinweg geholfen hätte. Das Buch ist sehr schlicht verfasst. Eine Aufzählung reicht sich an die nächste und es keimt der Verdacht, dass es sich hierbei um einen Aufsatz eines Mittelschülers handelt. *gähn*

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