Mrs. Alis unpassende Leidenschaft – Helen Simonson

Nachdem Ernest Pettigrews Frau verstorben ist, lebt der pensionierte Major der britischen Armee weiter in seinem Haus in einem überschaubaren Ort. Sein Sohn ist ihm fremd geworden und er schämt sich auch oft für ihn, denn Roger verhält sich so ganz anders als der pflichtbewusste und höfliche Ernest. Gelegentliche Jagden, das Spiel im Golfclub, ein gutes Buch und eine Tasse Tee gehören zu seinen Leidenschaften.

Als jedoch Ernests Bruder Bertie unerwartet verstirbt gerät die Welt des Majors ins Wanken. Ausgerechnet als er von Berties Tod erfährt, trifft er auf Mrs. Ali. Sie erlebt ihn in einem Moment der Schwäche und die herzliche Pakistani – selbst Witwe – nimmt sich seiner rührend an. Obwohl sie einander kaum kennen, beginnt sich ihrer beider Leben miteinander zu verbinden.

Unaufgeregt erzählt das Buch von einer wachsenden Freundschaft, dem bürgerlichen Leben im ländlichen England und ist dabei gespickt im wunderbar britischem Humor. Mit Ernest und Jasmina Ali treffen Welten aufeinander, die kaum vereinbar erscheinen. Er, der britische Gentleman und Sohn eines Helden. Sie, die pakistanische Witwe und Ladeninhaberin.

Ihre Umwelt reagiert geschockt und mißtrauisch auf diese Verbindung, die doch so harmlos ist. Zwei ältere, einsame Menschen, die von ihren Mitmenschen nicht immer wohlwollend behandelt werden und sich rührend um einander kümmern. Obwohl sie doch so unterschiedlich sind, finden Jasmina und Ernest schnell Gemeinsamkeiten. Die harmlose Freundschaft nimmt ein schnelles Ende und Jasmina Ali verschwindet aus dem Leben des älteren Majors. Doch Ernest begreift, dass ihm so eine Chance wohl nie wieder widerfahren wird.

Ohne zu sehr zu polemisieren nimmt die Autorin die Gesellschaft mit einem Augenzwinkern aufs Korn. Die Eigenheiten der Protagonisten und ihrer Kulturen werden dabei sehr humorvoll beschrieben, ohne dabei ins Lächerliche abzugleiten.

Ernest kommt zu Beginn ein wenig steif und antiquiert daher. Aber er ist ein wunderbarer Charakter mit einem unglaublich Humor, der jedoch niemals bösartig oder bissig ist. Mit seinem Sohn hat er so seine liebe Not, das Unverständnis und die Ablehnung seiner sogenannten Freunde lassen ihn nachdenklich werden.

Jasmina hingegen wird als warmherzige und herzensgute Frau beschrieben, die ihre Persönlichkeit jedoch nicht immer entfalten kann. Zu sehr ist sie in ihrer Kultur verwurzelt und den Erwartungen ihrer Familie unterworfen.

Doch sie beide verändern sich im Laufe ihrer Geschichte. Legen Vorurteile ab, lösen sich von den Erwartungen und Ansprüche der Gesellschaft. So humorvoll der Roman auch ist, so werden jedoch auch oft sehr ernste und oft traurige Aspekte aufgezeigt. So gerät Jasmina – obwohl längst eine Frau in den 50igern – in die Fänge der Familie ihres Mannes. Natürlich alles nur zum Schutz Jasminas und weil es sich so gehört. Ernest hingegen fühlt sich von seiner eigenen Familie übervorteilt und von seinem Sohn beschämt.

Die Autorin versteht es nicht nur auf sehr schöne Weise die Protagonisten und ihre Gefühlswelt zu beschreiben, so erleben Ernest und Jasmina schliesslich ihren zweiten Frühling, sondern schafft es auch gekonnt die Umgebung und die Atmosphäre sehr lebhaft darzustellen.

Insgesamt war es wirklich ein sehr schönes Buch. In der Mitte hatte es leider ein paar Längen, die jedoch den Gesamteindruck nur wenig geschmälert haben.

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