Die andere Schwester des Papstes – Brigitte Teufl-Heimhilcher

Ein Jahr nach seiner Einführung in das Amt, kommt der Papst in seine Heimat. Nach Österreich. Im Vorfeld des Aufenthaltes recherchiert ein junger Journalist, dass der Papst nicht nur eine Schwester – so wie bisher bekannt – hat, sondern noch eine weitere Schwester sein eigen nennt. Das schwarze Schaf der Familie wurde bisher verschwiegen und versteckt. Schliesslich entspricht die resolute Ärztin Katharina nicht dem Frauenbild der katholischen Kirche und schon gar nicht dem ihres Bruders Leo, dem Papst.

Katharina, die eine uneheliche Tochter hat, geschieden und auch noch wiederverheiratet ist, ist so etwas wie der Supergau für Leo. Doch der Papst muss sich wohl oder übel mit seiner ‚mißratenen‘ Schwester auseinandersetzen, die sich verbal sehr gut zur Wehr setzen kann. Zwischen den zwei so unterschiedlichen Geschwistern steht Maria. Die älteste Schwester und Nonne. Eine ängstliche, fügsame Frau, die es allen doch nur Recht machen will.

Das Buch liest sich flüssig und ist sprachlich sehr gut. Mit einem gewissen Amüsement erlebt der Leser wie sich die Geschwister Leo und Katharina nach Jahren der Entfremdung wieder finden. Doch das ist ein langer und auch schmerzlicher Weg. Leo, verbohrt und völlig in seiner klerikalen Welt gefangen kann seine Schwester nicht verstehen. Und auch wenn Katharina auf den Leser sehr sympathisch wirkt, so ist auch sie eine Protagonistin mit Schwächen. Doch die Autorin beschreibt sie sehr witzig und im Grunde gibt es in dem Buch keinen Bösewicht, oder Heiligen.

Die Zeit, die Leo – mehr oder weniger erzwungen – bei seiner Schwester verbringen ‚muss‘, ist für sie beide nicht einfach. Doch in Leo beginnt ein Umdenken. Langsam, aber doch. Und er trifft auf Menschen, die ihm früher viel bedeutet haben.

Die Protagonisten sind alle sehr menschlich beschrieben. Mit all ihren Vorzügen, Schwächen, Macken, liebenswürdigen Eigenschaften. Die Probleme mit denen die Kirche zu kämpfen hat, sind nicht neu. Sie sind ein Bestandteil des Buchs und natürlich auch der Auseinandersetzungen zwischen den Geschwistern, deren Weltbilder eben völlig unterschiedlich sind.

Für meinen Geschmack hat die Autorin etwas zuviel angepackt. Uneheliches Priesterkind, Scheidung und Wiederverheiratung, einen homosexuellen Stiefsohn samt Freund, usw. Aber dennoch habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und nur die geringe Seitenanzahl des Buches bedauert.

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