Wer zu lieben wagt – Kristin Hannah

Als Kinder waren Meghann und Claire eng miteinander verbunden. Früh musste Meghann für ihre jüngere Halbschwester Verantwortung übernehmen, da ihre verantwortungslose Mutter dazu nicht in der Lage war. Doch als Meg ins Teenager-Alter kam, verschwand die Mutter aus ihrem Leben und Meghann brachte Claire zu deren Vater. Auch sie verschwand aus Claires Leben und schlug sich die erste Zeit mehr schlecht als recht durchs Leben. Ein Bruch im Leben der Schwestern entstand, der über die Jahre immer tiefer wurde.

25 Jahre später ist Meghann nun eine erfolgreiche und wohlhabende Scheidungsanwältin in Seattle, während Claire noch immer bei ihrem Vater lebt und ein uneheliches Kind hat. Die Mutter der Schwestern spielt für alle keine Rolle, da sie längst ein Sternchen in Hollywood ist und kaum mütterliche Gefühle zeigt. Ausser es hilft ihrer eigenen Karriere.

Meg, die schon länger eine Scheidung hinter sich hat, ist höchst erfolgreich, doch ihr Leben ist leer. Sie lebt nur für ihre Arbeit, besucht jede Woche ihre Psychologin und vertreibt sich die Einsamkeit mit anonymen Sex. Dabei greift sie meist zu jüngeren Männern, die sie schnell wieder los wird.

Claire hingegen scheint glücklich zu sein. Im Gegensatz zu ihrer Schwester hat sie ein enges soziales Netz und kümmert sich hingebungsvoll um ihre Tochter Ali. Doch dann lernt Claire einen Mann kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Und auch Bobby, ein erfolgloser Sänger erwidert Claires Gefühle.

Als sie Meghann davon berichtet und auch dass sie heiraten will, ist bei der abgestumpften Meg natürlich sofort Feuer am Dach und sie fährt sofort zu Claire. Der Aufenthalt kommt ihr nicht ganz ungelegen, denn sie soll Urlaub machen. Nach einem gefährlichen Zwischenfall mit dem Mann einer Mandantin ist Meghann nämlich völlig von der Rolle und ihre Arbeit leidet darunter.

Das Buch gliedert sich in drei Erzählstränge, die nach und nach miteinander verbunden werden. Anfangs erscheint Meg als sehr kalt und domninant. Doch immer wieder bekommt ihre Fassade Risse und ihre Verletzlichkeit, ihr Schmerz und ihre Einsamkeit blitzen durch. Die Autorin beweist sehr viel Fingerspitzengefühl und Geschick Megs Verhalten menschlich und verständlich zu machen.

Die Geschichte hat weder Längen, noch Szenen bei denen der Leser entnervt den Kopf schütteln möchte. Alle Protagonisten machen eine positive Wandlung durch und es kommt zu sehr gefühlvollen, aber auch dramatischen Szenen. Doch nicht nur Claire findet ihr Glück. Meg trifft in dem Kaff, in dem Claire lebt, auf einen ziemlich heruntergekommenen Mann in ihrem Alter. Joe entspricht so gar nicht ihrem Beutschema. Doch er ist da und verfügbar. Und er ist bedürftig. Genauso wie Meghann.

Für mich persönlich war die Annäherung von Meg und Joe wunderschön zu lesen. Und auch Joe hat einen großen Rucksack gefüllt mit Drama, Trauer und Sorge auf den Rücken geschnallt. Und im Verlauf der Geschichte kommen auch seine Geheimnisse und seine Lebenstragödie zu Tage.

Gegen Ende nimmt das Buch einen höchst dramatischen Verlauf. Und hier wird Meghanns Stärke und eiserner Wille sehr deutlich. Meg war für mich im Buch die Heldin, auch wenn sie zu Beginn als wenig liebenswürdig dargestellt wurde.

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