Liebe auf den zweiten Blick – Lynsay Sands

Blind wie ein Maulwurf stolpert Clarissa Crambray durch die Saison in London und hinterlässt sprichwörtlich verbrannte Erde. Da werden schon mal männliche Oberschenkel mit einem Tischchen verwechselt oder die Perücke eines Verehrers angekokelt. Natürlich alles aus Versehen. Ihrer Blindheit könnte natürlich eine Brille Abhilfe schaffen. Leider gibt es da die böse Stiefmutter, die Clarissa das Leben zur Hölle macht und ihr die Brille weg genommen hat.

Irgendwie verständlich, dass Chaos-Clarissa kaum noch Verehrer hat – auch wenn sie bildhübsch ist. Nur ein Mann entwickelt ernsthaftes Interesse: Adrian Montfort, Earl of Mowbray. Diesem ist es nicht unrecht, dass Clarissa im Grunde nicht viel sieht. Eine Kriegsverletzung hat eine hässliche Narbe in seinem Gesicht hinterlassen und Adrian meidet seit Jahren die Gesellschaft. Doch Clarissa fasziniert, verzaubert und amüsiert ihn fast augenblicklich.

Clarissa, die in sehr jungen Jahren einen Skandal überstehen musste, ist vom Interesse des attraktiven Earls sehr geschmeichelt und erfährt endlich mal wirkliche Beachtung und Freundlichkeit von einem Mann. Es ist wirklich sehr nett und anrührend zu lesen wie sich die Geschichte zwischen Clarissa und Adrian entwickelt. Sands spart dabei auch nicht an erotischen Verwicklungen, die sich gut in den Plot einfügen.

Phasenweise ist die Heldin leider ein bisschen zu gut und zu nett für die Welt. Aber das ist nicht wirklich das Problem des Buches.

Dieser Historical von Lynsay Sands bietet alles auf, was dieses Genre zu bieten hat: eine hübsche Heldin, einen charmanten aber kriegsversehrten Helden, die böse Stiefmutter, die gehässige Gesellschaft, usw. Dem Roman fehlt es auch nicht am Witz und ist eine nette Unterhaltung für Zwischendurch.

Leider wurde das Buch völlig unpassend übersetzt. Diese moderne Sprache passt einfach nicht zu einem Roman dieses Genres und hat mir ziemlich bald den Lesespass verdorben. Es wurden teilweise vulgäre Formulierungen verwendet, derer sich die Gesellschaft um diese Zeit niemals in der Öffentlichkeit bedient hätte.  Und dann wurden Geschlechtsteile wieder derart peinlich bezeichnet, dass ich mich auf unangenehme Weise an Romane der 80iger Jahre erinnert fühlte. Ich hoffe wirklich sehr, dass der Verlag von dieser Übersetzerin die Finger lässt.

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