Keine Lady ohne Tadel – Eloisa James

Auf dem Lande sieht Lady Esme Rawlings der Geburt ihres Kindes entgegen. Unterdessen hat ihre Tante Arabella einige Leute um sich und Esme versammelt und gibt eine Hausparty. Darunter befinden sich der Politiker Stephen Fairfax-Lacy und Arabellas Schützling – Lady Beatrice Lennox. Eine höchst umstrittene junge Dame, die sich vor einigen Jahren einen Skandal geleistet hat und von ihrem Vater verbannt wurde. Ausserdem ist noch die Gräfin Helene Godwin zugegen, die eine gute Freundin von Esme ist und ihr beistehen will.

Stephen ist der Politik überdrüssig und sucht ein wenig Abwechslung. Dass er von Arabella zum nächsten Ehemann Esmes auserkoren wurde, weiss der Politiker nicht. Aber er findet Gefallen an der unglücklich verheirateten Helene, die von ihrem Mann getrennt lebt. Mit der offenen und verführerischen Beatrix kann Stephen allerdings nichts anfangen, auch wenn er sie sehr attraktiv findet. Aber sie ist zu jung und zu skandalös.

Doch die Gesellschaft auf dem Land nimmt einige überraschende Wendungen und plötzlich ist Stephen Fairfax-Lacy das Objekt vieler Begierden. Beatrix hält Stephen für einen Puritaner, er nennt sie eine Kokotte. Lady Helene kürt ihn zu ihrem ersten Liebhaber und auch Lady Esme entwickelt ein gewisses Interesse für den umgänglichen Politiker. Stephen selbst ist erst ein wenig überfordert mit der Situation, kann ihr dann aber durchaus etwas abgewinnen. Ausserdem treibt sich auch noch immer Lord Bonnington – als Gärtner verkleidet – auf Esmes Anwesen herum und versucht seine Herzensdame für sich zu gewinnen.

Was als amüsantes Durcheinander und Ränkespiel beginnt, flacht extrem schnell ab und so ziemlich jede handelnde Person bewirbt sich spätestens nach der Hälfte des Buches um den Titel „Unsympathischte Person des Jahres“.

Überhaupt hat Frau James irgendwie den Faden verloren. Es sollte doch eigentlich die Geschichte um Stephen und Beatrix werden. Doch im Grunde dreht sich alles nur um die hochschwangere Esme, die sich in diesem Buch wirklich als wahre Nervensäge entpuppt und absolut unerträglich agiert. Ihr ständiges Gejammer um ihr Äusseres und ihr scheinheiliges Getue erfordern ein gewißes Maß an Abgestumpftheid. Ich gestehe – so manche Szene habe ich überblättert, so angenervt war ich von dieser Person. Man kann und will Esme einfach nicht abnehmen, dass sie geläuterte sein soll und eine brave und anständige Witwe werden will. Auch ihr ewiges Selbstmitleid zerrt an der Geduld des Lesers. Sermonartig betet sie herunter, dass sie es ihrem verstorbenen Mann ja versprochen hat, Bonnington nicht der Vater ihres Kindes sein kann und sie generell ja so arm (weil fett) ist.

Nächste Kandidatin: Gräfin Godwin. Altmodisch, langweilig, nicht wirklich reizvoll und ziemlich anstrengend. Obwohl sie mit Stephen ihren Mann betrügen will, kommen sie einfach nicht wirklich zum gewünschten Ergebnis. Dafür sieht man sie ständig zusammen Klavierspielen. Die Gräfin hat in meinen Augen weder Rückgrad, noch Selbstbewusstein. Auch sie nöhlt ständig herum und benimmt sich absolut nicht wie eine Frau, die bald 30 Jahre alt sein soll.

Stephen, der Puritaner – und Liebling aller Frauen. Dass er schon ein wenig älter ist, das hat nicht gestört. Es soll ja Frauen geben, die einen reiferen Mann bevorzugen. Allerdings hat Eloisa James Stephen nicht sonderlich begehrenswert und originell geschrieben. Er bleibt blass, uninteressant – schlicht und ergreifend: langweilig. Für einen Politiker hätte ich ihn eigentlich klüger gehalten und auch er hat einen äusserst unangenehme Art mit Frauen umzugehen. Besonders zu Beginn ist sein Verhalten gegenüber Beatrix, die er ja gar nicht kennt, äussert dreist und verletzend.

Der Marquis von Bonnington wirbt weiter um seine Angebetete und holt sich einen Korb nach dem anderen. Sein Streit mit seiner Mutter holt den Leser kurzfristig aus dem Koma, macht das Buch aber auch nicht besser. Und auch in diesem Buch nimmt man dem so steifen und drögen Marquis aus dem ersten Teil der Reihe nicht ab, dass er sich plötzlich zum leidenschaftlichen Liebhaber verwandelt haben soll.

Einzig Beatrix – um die es ja eigentlich gehen sollte – ist sympathisch. Ich fand sie weder zu kapriziös oder unglaubwürdig beschrieben. Und die von ihr durchgemachte Veränderung ist auch durch aus passend und glaubwürdig. Leider kann man das vom Rest des Ensembles nicht behaupten.

Insgesamt war ich von diesem Buch sehr, sehr enttäuscht. Es kam kaum Spannung auf, wer Vater von Esmes Kind ist, das war doch sowieso schon ein Selbstläufer; witzige Wortgefechte und Situationen kamen ab und an zwischen Stephen und Beatrix vor. Um das Buch zu retten war das allerdings viel zu wenig. Deswegen gibt es auch nur freundliche 2 Sterne. Wegen Beatrix und weil das Cover wie immer sehr geschmackvoll geraten ist!

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