Im Sog der Sinnlichkeit – Anne Stuart

Zwei Frauen hat Benedick Rohan bereits im Kindbett verloren, doch er braucht einen Erben. Und um diesen zu bekommen muss er natürlich standesgemäß heiraten. Diesmal soll es eine schlichte und vor allem leidenschaftslose Frau werden sein und die Ehe soll eine Vernunftehe werden. In diese Überlegungen hinein lernt er die Lady Melisande Carstairs kennen. Die attraktive und vermögende Witwe lebt eher am Rande der guten Gesellschaft, da sie sich zum Ziel gesetzt hat, die gefallenen Mädchen und Prostituierten vor der ausbeuterischen Männerwelt zu retten und beschützen.

Melisande, die von der Gesellschaft auch spöttisch Lady Charity genannt wird, lebt nur noch für ihre gefallenen Mädchen. An Männern hat sie an sich kein Interesse mehr und auch keine hohe Meinung von ihnen. Viscount Rohan könnte ihr jedoch gefährlich werden. Und das weiss sie auch. Obwohl er rüde und herablassend ist, fühlt sie sich irgendwie zu ihm hingezogen. Und auch Benedick bekommt die schöne Frau nicht mehr aus dem Kopf. Zudem er sich auch noch von ihr um den Finger hat wickeln lassen und ihr Hilfe gegen den Satanistischen Bund zugesagt hat, bei dem angeblich auch sein jüngerer Bruder Brendan Mitglied sein soll.

Anne Stuarts ‚Helden‘ stellen den Leser vor eine gewisse Herausforderung. Da es mein erstes Buch dieser Autorin ist, kann ich natürlich keinen Vergleich zu den anderen Büchern dieser Serie stellen. Allerdings ist Benedick ein sehr anstrengender, unfreundlicher und phasenweise extrem unsympathischer Held. Ich gestehe ihm eine gewisse Arroganz und Herablassung durchaus zu – da hat sich Anne Stuart wohl ganz gut am Zeitgeist dieser Epoche orientiert. Allerdings bräucht man wohl viel Schleifpapier um diese Ecken und Kanten ein wenig abzumildern.

Melisande hingegen ist ein ganz netter Charakter. Sie ist das, was man heute wohl als Gutmensch bezeichnen würde. Jedoch wird sie im Laufe der Geschichte immer unglaubwürdiger. Damit meine ich allerdings nicht das sexuelle Interesse an Benedick. Ihr freigeistiges Verhalten und ihre unüberlegten Taten passen einfach nicht in diese Zeit und selbst wenn man sich schon am Rande der Gesellschaft befindet, so kann man sich das nicht erlauben.

Generell ist für mich der Plot an den Haaren herbeigezogen. Dabei wäre die Ausgangssituation durchaus interessant gewesen. Die manchmal derbe Sprache und die unverblühmten Gespräche über Sex und Prostitution haben mich weniger gestört, auch wenn dies in dieser Zeit kaum ein Thema zwischen Männern und Frauen der guten Gesellschaft war.

Leider kann ich diesem Roman nur einen Stern geben. Der Ansatz war gut, die Ausführung leider irgendwann absurd und unglaubwürdig.

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